Agnieszka & Roland Brand: Ohne Liebe geht nix

Alles fing mit drei Bienenvölkern an. Es hat einfach Spaß gemacht. Doch was Agnieszka und Roland Brand seit 2016 mit ihrem Schafhof in Aura an der Saale aufgebaut haben, ist mehr als nur Spaß.  Hoch über Aura thront die barocke Klosterkirche. Schon von weitem ist der Turm des alten Benediktinerklosters zwischen den Bäumen zu erkennen. Von der Saalebrücke aus führt ein Kreuzweg den steilen Berg hinauf. 900 Jahre lang war die Kirche die herausragende Sehenswürdigkeit in dem 800-Einwohnerdorf im Landkreis Bad Kissingen. Doch seit vier Jahren ent-steht unten an der Saale etwas, wofür es sich lohnt – anstatt an der ersten Kreuz-weg-Station – rechts abzubiegen. Gemeinsam mit ihrem Mann Roland hat Agnieszka Brand mit dem Schafhof einen Ort geschaffen, an dem Menschen und Tiere gleichermaßen geschätzt werden und wo Fleiß, Mut und Liebe belohnt werden. Wenn Sie Besuchern und Gästen zeigen, was so alles dazugehört, dann brauchen diese vor allem eines: Zeit. Denn der Schafhof ist Ferienanlage und Bauernhof, Weidelandschaft und Tierpark in einem – und bald noch mehr. 

Ein Ort, wo Herz und Hirn zusammentreffen. 

„Man muss schon alles sehen, was wir hier haben. Denn das sind wir.“ Wir, das sind neben Agnieszka und Roland vier Ferienwohnungen am Hof und 18 Bienenvölker am Bienenhaus, sechs Esel auf der Weide und 35 Schweine im Wald. 

Dazu noch 150 Hühner im Freilandställen, 60 Flugenten und 30 Gänse direkt an der Saale, ein Alpaka, drei Schafe, diverse Katzen und ein Hund. Was sich nun wie ein Streichelzoo anhört, ist eine ungezwungene Verkettung von glücklichen Zusammenhängen. Es ist ein Ort, wo Herz und Hirn zusammentreffen. 

„Ich hatte ja keine Ahnung was das bedeuten sollte“ 

Drei Bienenvölker gaben dazu den Startschuss. Das war 2016. Das Jahr, in dem Agnieszka einen unaufhaltbaren Stein ins Rollen brachte. Doch das zeichnete sich damals noch nicht ab. „Ich habe mich 2016 ein wenig für die Imkerei interessiert und besuchte einen Kurs im Nachbarort. Um mich selbst mit den Bienen zu be-schäftigen und mit der Imkerei in Kontakt zu kommen, kaufte ich meinem Imkerpaten drei Völker ab. Ich hatte ja keine Ahnung was das bedeuten sollte“, erzählt Agniezka. Sie spricht dabei mit einer sehr sympathischen Kombination aus polni-schem Akzent und Rhöner Dialekt. 

Kurz nach den drei Völkern belebten zehn Freilandhühner den über 250 Jahre alten Schafhof. „Eigentlich waren die Eier nur für unseren Eigenbedarf gedacht. Nach-dem aber immer mehr Leute gefragt hatten, ob sie denn unsere Eier auch kaufen könnten, machten wir halt ein bisschen mehr.“ Seitdem gibt es in einer Abholkiste direkt vor der Haustüre Honig und Eier. 

Aus dem alten Areal wurde sukzessiv ein kleiner Bauernhof, wobei Agnieszka und Roland selbst keine Ahnung von Landwirtschaft hatten. Das geben sie auch offen zu. Aber sie machen das, was für die beiden vernünftig, gut und richtig erscheint. Das war nicht immer so. 

Der Himmel auf Erden

Die stressige Arbeit in einer Elektrofirma setzte Roland irgendwann körperlich zu. So geht’s nicht weiter. Roland machte einen Cut und sein Leben veränderte sich. Das Skurrile: Die gesundheitlichen Prob-leme ließen nach, je mehr er arbeitete. Jedoch am Hof und nicht in der Firma. Auch bei Agnieszka hört sich ihr tägliches Schaffen eher nach Hobby als nach Arbeit an, so sehr schwärmt sie davon. „Ich stehe früh auf und kümmere mich um die Tiere, die Ferienwohnungen und die Obstbäume. Ich schleppe schwere Sachen und komme bei den steilen Hügeln unterhalb der Kirche oft ins Schwitzen. Trotzdem ist das für mich keine Arbeit. Es ist für mich das Leben, welches ich selbst gewählt habe. Ich lebe den Himmel auf Erden. So wie unsere Tiere“, schmunzelt Agnieszka.

Die Schweine aus dem Eichenwald

„Ohne Liebe geht nix“, sagt Agnieszka. Egal ob bei den Ferienwohnungen oder bei den Tieren, bei der Marmelade und bei den Schweinen. Doch gerade für diese brauchten die beiden neben Liebe erst einmal viel Geduld. 

„Auf einer Fläche von sechs Hektar wollten wir die Schweine im Wald leben lassen. So wie früher.”

Doch bis alle Genehmigungen erteilt und alle behördlichen Instanzen durchlaufen waren, vergingen 2,5 Jahre. „Eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass wir einen neuen, konventionellen Maststall sofort hätten errichten können. Das ist doch ver-rückt, oder?“ Roland regt sich dennoch nicht auf. Er füttert stattdessen lieber Äpfel an seine Schweine, die schon von weitem durch den Eichenwald auf ihn zusprinten. Nüsse, Obst und ein bisschen Schrot. Keine Heizung und keine Geburtshilfe. Mehr braucht diese robuste Schweinerasse nicht.“ Um die Wertschätzung, die Agniezka und Roland ihren Schweinen schenken, auch an ihre Kunden weiterzugeben, gibt es am Schafhof die Möglichkeit des Schweine-Leasings. Die Kunden zahlen einen monatlichen Beitrag für ein ausgesuchtes Schwein und haben so die volle Transparenz über die Herkunft ihres Fleisches.

 

Eine ordentliche Portion Bauchgefühl 

Genau das ist es, was die beiden erfüllt. Sie lieben das, was sie tun. Sie folgen ihrem Herzen und handeln nachhaltig und mit Verstand. Sie gehen immer Schritt für Schritt und von Projekt zu Projekt. Jedoch war die Frequenz dieser Projekte in den letzten Jahren enorm. „Eigentlich haben wir bei uns am Hof durchgehend umgebaut. Es gab und gibt immer etwas zu tun.“ Das nächste große Projekt der beiden ist schon sichtbar. Endlich soll ein Hofladen den Schafhof komplettieren. Dazu werden gerade die alten Balken freigelegt und ein Zerlegeraum gebaut. Agnieszka will in Zukunft ihre Fleisch- und Wurstwaren komplett selbst herstellen. Ein Kurs, eine Zertifizierung und eine ordentliche Portion Bauchgefühl sollten dafür reichen. 

Wie machen das die beiden? Was ist das Erfolgsrezept? 

„Ein gutes Bauchgefühl und eine vernünftige Denkweise, wie man Tiere und Pflanzen halten sollte, sind für mich viel wichtiger als jedes Lehrbuch“, sagt Agnieszka. Und so falsch kann sie mit dieser Einstellung nicht liegen. Der Olivenbaum vor dem neuen Hofladen komme niemals über den Winter, sagten Bekannte der beiden. Sie haben ihn trotzdem draußen gelassen. Seit kurzem trägt er die ersten Früchte. Genau zwei Stück. 

Und: Agnieszkas Honig wurde 2019 übrigens zum besten Honig Bayerns gekürt. Und das ist genau richtig. 

KONTAKT

BIOHOF BRAND
Agnieszka & Roland Brand
Schafhof 164
97717 Aura a.d. Saale
Telefon: 09762/6218
info@bauernhof-brand.de
www.ferienwohnung-bauernhof-brand.de